Sonntag, 4. August 2013

Bye Bye, Blog!

Hallo ihr Lieben! Heute wollte ich mich noch ein letztes Mal aus der Versenkung melden und mich gebührend verabschieden. Denn ihr habt es bestimmt schon gemerkt: Mein kleines, aber feines Studentenprojekt ist jetzt offiziell beendet. Das mag vielleicht daran liegen, dass es sich schwer über den Studienalltag schreiben lässt, wenn man gar nicht mehr studiert. Ich bin zwar raffiniert, was die Ausdehnung auf den Bezug zu meinem Studium angeht, aber so raffiniert, dass ich Einträge über ein nicht existente Studentenleben verfassen könnte, bin ich dann auch nicht. 

Da. Der Beweis. Ich bin jetzt Bachelor of Business Admisnistration und habe auch gleich mein Zauberexamen auf Hogwarts bestanden.

Denn jetzt ist es offiziell: Ich hatte den Hut auf, hab mein Zeugnis in die Hand bekommen und durfte einer Person, die ich gar nicht kannte, die aber sehr wichtig aussah, die Hände schütteln. Seit dem Moment bin ich also studiert. Wenn ihr mich fragt, hätte man die Prozedur auch ein bisschen abkürzen können. Denn es waren fünftausend Grad und wir waren 300 Studenten, die alle nach vorne kommen und sich ihren Handschlag/Zeugnis/Foto mit irrem Blick abholen mussten. Und Reden. Und dann Menschen die sangen. Und dann wieder Reden. Und dann Menschen die tanzten. 

Wären es 10 Grad weniger gewesen, hätte ich die tatsächlich zwei Stunden andauernde Zeremonie wahrscheinlich ganz gut durchgehalten. Denn es war ja eigentlich schon toll, dass wir uns alle noch mal sahen und unseren Abschluss gemeinsam feierten. Doch leider war es nicht nur warm, sondern wir Studenten saßen auch noch die ganzen zwei Stunden auf der Bühne und wurden von heizstrahlerähnlichen Beleuchtungen angestrahlt und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, hatten wir ja auch noch diese Hogwarts-Roben mit eingebautem Saunaeffekt an. 

Bachelor Graduation im Backstage. Verschwitzt, genervt und die Haare sitzen bei A. und mir auch nicht.
Und dabei hatten wir uns eigentlich auch alle Mühe gegeben, süß und nett und studiert auszusehen. Ich hatte mich für diesen Anlass extra wieder in mein Kleid für besondere Anlässe gehungert. Ich bin ja nicht so der Modeexperte und habe deswegen ein Kleid, das sehr klassisch geschnitten ist und deswegen immer und überall gut aussieht (also wenn man denn reinpasst). Dieses Kleid und ich sind seit fünf Jahren unzertrennlich und A. sagte auch gleich, dass ihr das Kleid irgendwie bekannt vorkommt, als ich ihr zeigte, was ich anziehen würde. Könnte sein. Zeugnisvergabe beim Abi, Johannes Hochzeit, Abiball meiner Schwester und noch so ein paar Feierlichkeiten in den letzten Jahren. Ich sehe also bei jeder Feierlichkeit haargenau gleich aus. Never change a winning horse und so. 

Doch dieses Mal musste ich leider abweichen. Denn aufgrund einer ärgerlichen Verspätung meines Flugs aus London (Ja, ich weiß. Jetset, Jetset) kam ich am Tag vor der Graduation mitten in der Nacht und total erschöpft so ungünstig am Flughafen an, dass mir nichts anderes übrig blieb, als bei meinem Vater ins Katzenzimmer zu crashen (jip, die Katze hat das Zimmer nach unserem Auszug geerbt - kein Kommentar) und von dort aus am nächsten Morgen in Richtung Graduation aufzubrechen. Gut, dass ich wenigstens mein Kleid eingepackt hatte. Was ich nicht dabei hatte: Alles andere. Also musste ich ein bisschen improvisieren und mir den Rest zusammenklauben. Das ist eine ganz schöne Herausforderung, wenn deine Stiefmutter nur 1 Meter 55 misst und Schuhgröße 35 hat. Aber wir haben das eigentlich ganz gut gemeistert. Nur das mit den Schuhen hat nicht hingehauen. 

Carina und ich. Man beachte das elegante Schuhwerk.
Deswegen musste ich halt nehmen, was ich hatte - ausgelatschte Chucks - und dann auf meine Mutter warten, die der Zeremonie später beiwohnen wollte und die ich dazu bequatscht hatte, mir eine Auswahl an Schuhen mitzubringen. Trotzdem musste ich aber den inoffiziellen Teil der Zeremonie - also Roben raussuchen, Zeugnis unterschreiben etc. - mit den Schuhen beschreiten, die zu meinem Kleid nur so semi aussahen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass mich die Menschen ein bisschen verwirrter anschauen würden mit dem Schuhwerk. Aber komischerweise hat kaum einer war gesagt, wenn ich Menschen nicht darauf hingewiesen habe, dass die richtigen Schuhe später noch kommen. 

Dass ich da mit Chucks zum Kleid stand, hat niemanden großartig geschockt. Die Meisten waren davon ausgegangen, dass es mein Outfit ist. Das hat mir dann schon ein bisschen zu denken gegeben. aber wenn man wiederum nochmals darüber nachdenkt, kann man die Gelegenheiten, an denen ich mit anderen Schuhen als Chucks pro Jahr in der Uni auftauche, an einer Hand abzählen. Deswegen hatte sich da auch niemand groß gewundert und wie sagte der IBEler meines Vertrauens?: "Ich war davon ausgegangen, dass du nur mal wieder querschießen wolltest". Wenn man mich kennt, ist das auch gar keine so abwegige Annahme. Aber gut, dieses Mal wollte ich konform sein und dann will man das ein Mal und dann klappt das nicht!

Mal hier mal da - aber immer im Gepäck: Die Chucks.

Aber gut. Die Schuhe sind dann später noch gekommen und ich konnte während der Zeremonie in die reinschwitzen und nicht in meine geliebten Chucks. Wenigstens etwas. Und nachdem ich jetzt mit so viel Tamtam aus dem Studienleben geschieden bin, versuche ich den Glitz und Glamour noch ein bisschen weiterzuführen. Derzeit aber noch ohne nennenswerte Jobperspektive. Aber egal, Glitz und Glam ist ja ne Einstellung, die nicht vom Einkommen abhängt. Trotzdem bin ich viel unterwegs und genieße meine Freiheit nach 40-Stunden-Woche mit gleichzeitigem Bachelor-Thesis schreiben und hole einfach alle Stunden Freizeit nach, die ich im letzten halben Jahr verpasst habe. 

Es war schön mit euch und es hat mir wirklich viel Freude bereitet, euch an meinem Leben teilhaben zu lassen. Ohne euch wären die abgefahrenen Geschichten auch nicht möglich gewesen und zuguter Letzt möchte ich mich noch ganz besonders bedanken bei den Menschen, die hier ziemlich oft vorgekommen sind und ohne die ich jedes Mal nur hätte schreiben können, dass ich tatsächlich was für die Uni gemacht habe (laaaaaangweilig) und die mir eine unmoralische Stütze waren: A., dem IBEler meines Vertrauens, Team Playbär, der FMD4G, meiner Mini-Company, der Gesamtheit meiner nicht zu verachtenden Anzahl an Mitbewohnern, diversen Dozenten, meinen Kollegen beim Verlag und bei der Agentur, den Austauschstudenten in Schweden und zuguter Letzt natürlich auch allen anderen, die meinen Blog gelesen und manchmal wohlwollend, manchmal aber auch unverschämt unfreundlich mein Leben kommentiert haben. Ich werde euch vermissen. Haltet die Ohren steif. Ich bin raus. Neue Kapitel anfangen und so. Also jetzt zum letzten Mal. Over And Out :)

Sonntag, 23. Juni 2013

Ba...ba...Bachelorette!

Hallo Leute! Ihr habt es bestimmt gelesen: Ich bin jetzt studiert, denn ich habe mein Studium anscheinend erfolgreich abgeschlossen. Ganz schön abgefahren, wenn ihr mich fragt. Ich verfüge jetzt tatsächlich über eine Ausbildung. Böse Zungen aus dem IBE-Department behaupten zwar, es sei eine Ausbildung im Singen und Klatschen, aber die sind ja nur neidisch, dass ich viel besser ausmalen kann als die. 

Muahahaha, endlich kann ich das ankreuzen und es ist nicht mal gelogen!
"Und wieso meldet sich die Olle dann jetzt erst fast zehn Tage später? Hätte die auch ruhig vorher mal drüber schreiben können!" werdet ihr euch wahrscheinlich jetzt denken. Tja, ich bin da ein bisschen aufgehalten worden. Denn pünktlich eine Woche bevor ich zur mündlichen Prüfungen antanzen musste, haben meine Zähne beschlossen, mir mal so richtig ordentlich und total auf die Nüsse zu gehen. Denn als ich nichtsahnend in ein ziemlich leckeres (wegen weil von mir höchstpersönlich angefertigtes - wenn man keine Thesis mehr schreiben muss, hat man plötzlich wieder für sowas Zeit) Bruscetta beißen wollte, sagte mein Kiefer einfach so und ohne Vorwarnung: "So, genug Spaß gehabt. Du hast schließlich schon fünf volle Tage nach der Abgabe genießen können - jetzt verknacks ich mich mal ordentlich!". Resultat: Totale Kiefersperre und Zahnschmerzen aus der Hölle. 

Das macht richtig Spaß, wenn man eine Woche vor der mündlichen Abschlussprüfung steht und dann erst mal den Kiefer nicht richtig auseinanderbekommt. Gut, es gab da die ein oder andere Person, die das ziemlich gutgeheißen hat (Mein Kollege: "Man Samira, ich hab bestimmt jetzt schon drei Stunden ungestört arbeiten können, ohne dass du mich über die neuesten Gerüchte über Angelina Jolie auf dem Laufenden gehalten hast. Kannst du das mit der Kiefersperre nicht noch ein bisschen behalten?") und es hat auch ziemlich für Amüsement gesorgt ("Na Sam, willste auch noch n Nappo?") aber ich habe mich damit gerächt, dass ich allen Personen einfach ungefragt einen stündlich mündlich überlieferten Newsticker zum Stand meiner Zahnschmerzen überliefert habe. 

Ich versuche trotzdem, positiv zu bleiben.

Was mich allerdings gewundert hat: Es gibt schon ziemlich viele Menschen, die davon fasziniert sind und sich tatsächlich auch in aller Regelmäßigkeit über meinen Zustand erkundigten. Denn eigentlich hätte man aus der Geschichte auch ne Telenovela machen können, so viel ist in den zwei Wochen mit meinem Mund passiert. Denn nachdem ich eine Woche lang dem Trugschluss erlegen bin, dass das schon irgendwie ohne ärztliche Hilfe wieder wird, musste ich dann doch klein beigeben und zum Zahnarzt gehen. Da war ich aber tatsächlich schon fast zehn Jahre nicht mehr und ich war selber schon total schockiert, als ich meiner neuauserkorenen Zahnärztin vorrechnete, wie lange mein letzter Zahnarztbesuch her war. Aber gut, jetzt kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass ich alle versäumten Besuche innerhalb einer Woche wieder aufgeholt habe. Denn als die Zahnärztin sich das Schlamassel in meinem Mund ansah, sagte die nur: "Näh. Das wird nix mehr mit Wunderheilung. E3673482Vxg7 bis 10 müssen raus" (Mit dieser wirren Buchstabenkombination meinte sie nur meine Weisheitszähne - aber ihr kennt das ja, für den Laien heißt das Schneidezahn, für den Zahnarzt irgendwas wie ein Düsenjet). 

Als ich die junge Frau fragte, wie dringend es sei, sagte sie irgendwas von wegen, dass das jetzt nicht mehr besser sondern eher nur noch schlimmer werden würde. Also sollte ich die Dinger am besten bis gestern rausbekommen. Aber da sie gerade so auf mein Röntgenbild schaute, teilte sie mir auch gleich mit, dass die das nicht machen würde, weil erstes hier zweitens hier und drittens hier (ich will euch da nicht langweilen, aber es sah aus, als wäre es kompliziert). Als ich berichtete, dass die mündliche Prüfung anstand, saugte sie zischend Luft durch die Zähne ein. "Tja, dann mal viel Erfolg nächste Woche. Ich kann Sie aber auch krank schreiben".

Das Schild hätte ich beim Zahnarzt gut gebruauchen können...
Äh lass mal kurz überlegen. Es gab da also jetzt drei Szenarien, von dem mir keine auch nur im Geringsten gefiel. Entweder, ich ließ mir die Zähne sofort rausnehmen und hoffte, dass das bis Dienstag so abgeheilt sei, dass ich sprechen kann (klar, wir kennen ja alle die Personen, die zwei Tage später schon wieder Top in Form sind und auch nicht aussehen wie ein Backenhörnchen...) oder ich ließ mich krankschreiben und wartete auf einen Ausweichtermin, der irgendwann Ende Juni wäre - wobei Problem Numero Uno gewesen wäre, dass ich am 28. nach Oxford fliege und das Problem Numero Due wäre - was mich viel wahnsinniger gemacht hätte - dass ich noch drei Wochen länger auf mein Ergebnis hätte warten müssen und in der Zeit sowohl alles wieder vergessen hätte, was in dem Bachelordings steht, als auch vor lauter Nervosität sämtliche Stifte im Büro niedergekaut hätte. Letzte Option war dann also: Aushalten und versuchen, nicht auszurasten. Die hab ich dann gewählt und hab mich IRRE gefreut, mit den Schmerzen eine zwanzigminütige Präsentation halten zu dürfen. 

Deswegen fand ich meine Prüfung noch blöder als ohnehin schon. Was auch gemein war, war die Tatsache, dass die Prüfungen ja den ganzen Juni über verteilt sind und dementsprechend jeder Student einen anderen großen Tag des entweder Erfolgs oder Misserfolgs hat. Gleich am ersten Tag der Prüfungen war A. dran, was einerseits echt befreiend für sie war, denn zwischen Abgabe und Präsentation lag nur knapp eine Woche und sie hatte keine Zeit mehr, sich verrückt zu machen (denn falls ihr es noch nicht mitbekommen habt: Darin ist sie Meisterin. Müsste ich darauf wetten, wen ich bei der Wartezeit zwischen Abgabe und Präsentation am ehesten sich hin und her wiegend in einer schweren Form des Hospitalismus wiederfinden würde, hätte ich mein ganzes Geld  auf sie gesetzt). Und ich habe mich wirklich wie irre für sie gefreut, als sie dann verkündete, dass sie jetzt nen Abschluss hat. Immer noch unwirklich. Gestern noch haben wir auf dem Schulhof darüber gestritten, ob Fabian aus unserer Klasse oder Martin aus der 11ten der Süßere ist und ob ich A.s Franzehausaufgaben haben kann, wenn ich ihr im Gegenzug abends V+ aus dem Kiosk besorge, weil ich schon 16 bin und A. nicht und jetzt sind wir plötzlich schon studiert. Ganz schön abgefahren, wie schnell wir so alt geworden sind. 

Wenn das mal so einfach wäre...
Naja, A. hat mir trotzdem ganz schön Angst gemacht, als sie mir von ihrer Präse berichtet hat, aber sie hat sie trotzdem noch ganz gut hinbekommen (That's my girl!). Ein ganz anderes Kaliber war natürlich der IBEler meines Vertrauens. Ganz cool reingegangen, eben die Präsentation gerockt und dann die Frage gestellt, wieso sich denn jetzt hier alle so aufregen und dass das doch schon ganz schön einfach war. Ich war also tatsächlich mit den zwei Typen konfrontiert, die mir in Stresssituationen am Wenigsten gut tun: Einer Hyperaktiven und einem Übercoolen. Hat also meine emotionale Balance ziemlich sabotiert. 

Aber Dienstags war ich dann auch endlich dran, nachdem ich schon dreihundert mal auf Facebook "Ich hab's geschafft!" gelesen habe und hatte auf einer Schmerzskala sogar nur 9,5 von 10 Punkten gegeben. Das kann aber daran liegen, dass ich ziemlich unausgeschlafen war und es meinem Körper dann letztlich egal war. Naja, eigentlich hatte ich vorher nicht so den Zweifel, dass ich durch die BA durchgerasselt sein könnte, weil ich Berichte eigentlich ja immer gut geschrieben habe. Aber als meine Präsentation beendet war und die Fragerunde losging, wurde mir plötzlich klar, dann es hier gerade um etwas ging. Denn normalerweise wurde ich am Ende immer mit kleineren Verständnisfragen konfrontiert, da ich mich ja bei sowas gerne oberhalb der 8 irgendwas Spähre bewege und plötzlich haben die mir essenzielle Fragen gestellt. Oh oh. Das ist irgendwie, als würde man an einem schönen Tag im Café sitzen und dann Zeuge werden, wie ein Bus in die Fußgängerzone kracht. 

Schaut mal, bei der Abgabe war sie noch optimistisch.
Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.
Zudem machte es mich nervös, dass die Prüfer sehr nett waren und die Fragen sehr sanft stellten. Das war so voll total das Gegenteil von dem, was ich gehört hatte. Mir war plötzlich klar, dass es schon sein könnte, dass ich das hier überhaupt nicht gut gemacht habe. Zudem fand ich mich in einer Endlosschleife mit meinem Drittprüfer wieder, der immer und immer und immer wieder davon anfing, wieso ich kein Popup-Fenster einfügen würde, was eigentlich eine ziemlich banale Frage war. Der Dialog ging etwa so und wiederholte sich tatsächlich mehrere Male:

"Wenn Sie Mitglieder anwerben wollen und die mehr auf der Homepage geleitet werden sollen, wieso machen Sie dann kein Pop-Up Fenster?"
"Weil die meisten Browser einen Pop-Up-Blocker integriert haben und die Nachricht gar nicht erst bei den Nutzern ankommen würde"
"Haben Sie Zahlen dazu, wie viele Internetnutzer nicht durch diese Fenster erreicht werden können?"
"Nein, denn bis gerade hatte ich auch noch nicht die Erkenntnis, dass mir diese Frage gestellt werden könnte"
"Wäre es eine Option?"
"Nein"
"Wieso nicht?"
"Wegen der Pop-Up-Sperre"
"Aber dazu haben Sie keine Zahlen"
"Das weiß man doch aber"
"Aber beweisen können Sie es nicht"
(Gedanke Samira: "Dass die Herdplatte heiß ist, kann ich auch nur beweisen, indem ich meine Hand drauflege, man muss nicht immer alles beweisen!")

"Ohoh" ist das Wort, nachdem du suchst, Samira...
Und dieser Dialog wiederholte sich mehrmals, da der Drittprüfer ihn immer wieder anstieß. Eigentlich war ich felsenfest davon überzeugt, dass Pop-Ups eine dämlich Idee wären, aber nachdem es das dritte Mal angesprochen wurde, war ich davon überzeugt, dass er mich auf eine richtige Antwort stupsen wollte. Also gab ich einfach nach und sagte "Ein Pop-Up wäre eine gute Idee". Wenn er das hören wollte, gut, dann bekam er es halt zu hören. Meine Integrität hat zwar gerade herzzerreissend auf Wiedersehen gesagt und ich war ziemlich sicher, dass ich gerade das leise Knacken meines Rückgrats gehört hatte, aber manchmal muss man auch mal nachgeben. Das tat meiner Zweitprüferin dann irgendwie leid, weil ich mit Zahnschmerzen der Verzweiflung nahe und wahrscheinlich wie ein Häufchen Elend dastand und meinem Rückgrat Adieu winkte, dass sie die Fragerunde an der Stelle abbrach. 

Ich muss nicht sagen, dass ich tausend Tode gestorben bin, als ich die zehn Minuten draußen warten musste und mir war so schlecht, dass ich am liebsten in den Flur gereiert hätte (dessen Flur eh kotzgelb ist, deswegen hätte es wahrscheinlich nicht mal einer gemerkt) aber ich habe durchgehalten. Und als mich die Prüfer wieder reingeholt haben, hatte ich im Kopf auch schon die Rede für meine Mutter parat, wie ich der beibringen würde, dass ich leider noch ein halbes Jahr studieren muss. Aber an dieser Stelle waren meine Prüfer sehr nett. Ich habe mich hingesetzt und dachte dann so: Alles oder nichts, 50/50. "Das Wichtigste zuerst, Samira: Sie haben bestanden...". So, alles klar, whoop whoop. "...Zwar nur mit einer 6,0..."Wer ist die Größte? Oh, das bin ja ich. Shalalalalalalalalala. "...Mit den Zielen waren wir nicht zufrieden..." Booya. Oh yeah. Ich bin so cool, ich bin so cool "...Gute für die Zukunft..." Oh ist das cool. Ihr könnt mich alle mal, denn ich hab bestanden! ... Wieso schauen die mich so an? Achso, die wollen glaube ich eine Antwort von mir. Wieso hab ich jetzt gerade nicht zugehört? Egal - Smalltalk-Joker: Nicken, lächeln und Danke sagen. 

Carinas und mein Soundtrack zum Bachelorette sein - Und jetzt alle mithüpfen!

Ich konnte eigentlich auch nicht schneller aus dem Raum raus sein und ich hätte gerne ganz dick und fett gegrinst, weil ich an dem Tag wirklich viele emotionale Zustände durchlebt habe, aber ich war noch nicht voll genug mit Endorphinen, dass ich meine Zahnschmerzen hätte vergessen können. 

Naja, die Zähne sind jetzt raus und ist alles noch mal gutgegangen. Zwar hab ich nur ziemlich knapp bestanden, aber so what. Ich bin jetzt Bachelorette! Und Zahnschmerzen habe ich auch keine mehr. Oh yeah. Ich freu mich schon sehr darüber.  Lasst uns anstoßen! Mit freundlichen Grüßen Ihrer Hochheit Samira, Bachelorette von und zu Venlo.

Hier, ich stoß mit euch an!

Mittwoch, 22. Mai 2013

Bachelorarbeit: Wer nicht irre wird, macht irgendwas falsch.

Hallo Hallo, liebe Menschen! Ich weiß, ihr habt Ewigkeiten nichts mehr von mir gehört und ihr denkt wahrscheinlich schon, ich sei tot. Ist auch fast richtig. Bis gestern habe ich nämlich meine Bachelorarbeit im Hardcoremodus geschrieben. Deswegen hatte ich spontan nicht so die Zeit, mich mit sinnlosen Schreibtiraden auseinanderzusetzen. Stattdessen habe ich versucht, meiner Arbeit in der Agentur nachzugehen, den Dom zu retten, meine Thesis zu schreiben, mein Sozialleben aufrechtzuerhalten, in meiner WG nicht negativ aufzufallen, indem ich den Putzplan vernachlässige und als Sahnehäubchen der Beschäftigungstherapie noch nebenbei dem ZDV, für den ich das Projekt für den Kölner Dom gemacht habe, ein bisschen fitter in Sachen Social Media zu machen. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich in den letzten zwei Monaten jeden Tag gefühlt etwa drei Liter Red Bull direkt durch die Halsschlagader injiziert habe um das durchzuhalten. 

Andere Menschen wären daran zerbrochen und hätten sich ein fesches Burn Out zugelegt, ich habe stattdessen Wollfäden-Flechten als Stressbewältigungsmaßnahme für mich entdeckt. Total sinnlos, immer wie so eine Irre dazusitzen und drei Wollfäden akribisch zu flechten, aber es hat mir ungemein geholfen meine innere Mitte zu finden und kein Kettensägenmassaker anzurichten. Deswegen sagt mal wieder "Danke" zu den hässlichen Wollfädenskulpturen - vielleicht habt ihr denen euer Leben zu verdanken. Ansonsten würde ich aber lügen, wenn ich jetzt behauptete, dass ich den ganzen Schreibprozess über komplett auf der psychischen Höhe gewesen wäre. Lasst mich die heiße Phase - also die letzten vier Wochen - in Sachen bachelorarbeitbedinge Vollaussetzer kurz beschreiben:

Die gedruckte Version des Teufelszeugs. Bis dahin war es ein langer Weg...
Woche 1: Arbeite noch Vollzeit in der Agentur und meine Bachelorarbeit weist genau zwei Dinge auf - die Unternehmensbeschreibung und ein Titelblatt. Schuld daran ist eine Endloskorrekturschleife über mein Thema. In der Vergangenheit habe ich mich wenig einsichtig gezeigt aber jetzt wo die Abgabe sich nähert, hisse ich einfach die weiße Flagge und tue, wie mir geheißen, damit das jetzt endlich mal ein bisschen voran geht. Ich denke mir aber, dass das schon wird. Ich arbeite also meine acht Stunden am Tag um mich dann an den Schreibtisch zu setzen und loszulegen. 

Den ersten Abend klappt das noch ganz gut, den zweiten Abend schreibe ich bereits nur noch eine halbe Seite bis ich erschöpft aufgebe und doch lieber eine Folge The Big Bang Theory schaue, die ich aber dank totalem Synapsenstau einfach nicht verstehe und ausschalten muss. Am dritten Abend schreibe ich den Refrain von "I've been looking for Freedom" auf - sonst nichts und am vierten Tag starre ich im Büro eine halbe Stunde lang aus dem Fenster fast ohne zu blinzeln, bis das Telefon klingelt. Mein Stresslevel an Tag fünf schnellt hoch auf über 5.000, als sowohl A. als auch der IBE'ler meines Vertrauens mir stecken, dass beide bereits mehr als 10 Seiten fertig geschrieben und etwa 20 weitere durchstrukturiert haben.

Bitte alle mal recht herzlich mitsingen.

Woche 2: Ab jetzt habe ich Urlaub bis zur Abgabe. Naja, eigentlich muss ich noch einen Tag in die Agentur um meinen Anspruch auf Urlaub nicht überzustrapazieren, aber mein Chef meint, ich soll den ruhig mal stecken lassen. Ich denke allerdings, ich sollte den nicht stecken lassen, da ich aufgrund des ewigen Ausdemfensterstarrens in der vorangegangenen Woche nicht viel auf die Kette bekommen hatte und da schon noch die ein oder andere Sache erledigen muss. Gehe also doch noch einen Tag ins Büro und bin total relaxt, weil ich das schon alles irgendwie hinbekommen werde, schließlich habe ich ab jetzt frei. Hat schließlich schon immer irgendwie geklappt und außerdem gehe ich ja arroganterweise immer wieder davon aus, dass meine Schreibfähigkeit Gottes Geschenk an die Menschheit ist. 

Ähm... ja!
Dann kommt der erste Knick der zweiten Woche, weil ich merke, dass meine Schreibfähigkeit wohl doch nicht Gottes Geschenk an die Menschheit ist, sondern eher Satans - zumindest, wenn man sich mal meine kafkaesken Relativsätze reinzieht, die nicht mal Kafka selber blicken würde (aber das liegt eher am Inhalt als an der Struktur - vielleicht hätte er auch vor Beendigung des Satzes einen narkoleptischen Anfall erlitten, die sich sein Körper extra für mein Schriftstück zugelegt hätte). Meine Schwester kommt vorbei, blättert durch meine Entwürfe und ist nach zwei Seiten Manuskript bereits so gelangweilt, dass sie die weitere Korrektur verweigert. Wer will es ihr verübeln? Die theoretische Grundlage des Non-Profit-Marketings ist etwa so spannend wie die Vorlesungen, die wir zu dem Thema mal hatten und in der ich in aller Regelmäßigkeit nicht aufgekreuzt bin. Jetzt wünsche ich mir, ich wäre wenigstens jede zweite Woche mal hingegangen. Naja, machste nix, ne?

Woche 3: Nachdem ich mich durch den theoretischen Teil gekämpft habe, läuft alles viel einfacher und ich habe nicht mehr das Gefühl, mit dem Rad eine 89° Steigung bei Gegenwind hochzustrampeln. Jetzt sind es nur noch 60°, macht aber trotzdem noch keinen Spaß. Verliere auch ein bisschen an Lockerheit, als ich sehe, dass die ersten Menschen bereits abgegeben haben und ich gerade mal etwas mehr als die Hälfte habe, die in meinen Augen auch noch nicht mal besonders gut ist. Aber naja, dann ist das halt so. Gut Ding will Weile haben. Kurble also den Motivationsmotor an und schreibe wie Blöde.

Ich hab das alles im Griff - kann das nur nicht so zeigen...
Leider vernachlässige ich dabei meine äußerliche Ästhetik und auch meine Ordnungsdisziplin. Kurz: Bei mir sieht's aus wie bei Hempels unterm Sofa  und ich übrigens auch. Das geht so weit, dass der Klempner mich mit meinem Mitbewohner Tobias verwechselt. In anderen Situationen wäre ich alleine deswegen schon zur Mani- Pedi- und Sonstwasküre gerannt, in Woche 3 hat mich das dann irgendwie voll nicht gekratzt. Stattdessen mutierte ich zu Gollum in der Höhle, der den ganzen Tag seinen Schatz bewacht und schon einen nervösen Ausraster bekommt, sobald auch nur jemand in die Richtung meines Laptops schaut - könnte ja sein, dass derjenige durch den puren Anblick meiner Bachelor-Datei diese zerstören könnte. 

Woche 4: Ich bin dann auch auf so einen krassen Paranoiditätslevel angekommen, dass ich das Dokument auf meiner Festplatte, in Dropbox, in dieser Google Dropbox da und in meinem E-Mail-Fach speichere nur für den Fall, dass irgendein Hackergenie alle Server der Welt ausfallen lässt. Aber selbst das kann mir nichts anhaben - denn ich habe noch eine Sicherungskopie auf einem USB-Stick. Carina lacht mich aus und sagt, ich soll mich mal lockerer machen. Ich mache mich locker und speichere nur noch alle fünfzehn Millisekunden auf Festplatte, auf dem Rest nur noch einmal täglich. Gute Entscheidung, denn statt zu speichern kann ich auch mehr schreiben. 

Der Dom und ich - Definitiv keine Liebesgeschichte dank BA.
Schlechte Entscheidung, als ich Freitagabend alle Anhänge in die Worddatei packe - also so eine Trilliarde MB - weil ich mit dem Grundttexten fertig bin (Booooya!!!!), das Ausdrucke für die Korrektur und durch das Drucken völlig vergesse, meinen anderes Speicher-Ritual durchzuführen. Prompt bekomme ich die Quittung dafür. Samstagmorgen, AN MEINEM GOTTVERDAMMTEN GEBURTSTAG - will ich die Worddatei öffnen... UND DIE LÄSST SICH NICHT MEHR ÖFFNEN!!! Erst raste ich voll aus und zerschmeiße meine Spardose in einer mehr als impulsiven Handlung (auch voll bescheuert, aber bei sowas denkt man ja nicht nach), dann rufe ich A. an, die mich wieder Aufbauen muss. Dumme Idee, A. steht nämlich gerade beim Staples und weint selber, nachdem sie dem Kopiertypen verbal den Hals aufgeschlitzt hat, weil das alles nicht so funktioniert wie sie will und ihre Aggressionslevel noch höher ist als das von Brad Pitt in "Sieben" als der rausfindet, dass Kevin Spacey den Kopf von Gwyneth Paltrow in dem Karton vor ihm geparkt hat. Deswegen weinen wir einfach beide. Und A. baut mich auf, weil sie mich daran erinnert, dass ich das Dokument wenigstens ausgedruckt habe und nur noch wieder abschreiben muss. Ich wiederum sage, dass der Mann bei Staples nichts dafür kann, dass A. das Dokument nicht als PDF gespeichert hat, aber dann er sicher bestimmt zur untersten Kaste der Gesamtmenschheit gehört - sogar noch nach den Menschen, die Labskaus erfunden haben. 

Wenn ihr denkt, dass das der Tiefpunkt war... Nein, erst ab jetzt geht es so richtig bergab. Da Samstag ja mein Geburtstag war, hab ich da mal alle Fünfe gerade sein lassen und nichts für meine Arbeit getan - wie auch, die letzte Version ließ sich ja nicht mehr öffnen. Abends hab ich mir dann mit meinen Lieblingsmenschen, die extra aus ganz Deutschland und Österreich angereist sind, den ESC reingezogen, so wie wir das jedes Jahr tun. Und mich auch wie jedes Jahr dermaßen aus dem Leben geschossen, dass ich ab dem fünften Kandidaten glückselig alle schlechten Darbietungen mit Eifer verfolgt und kommentiert habe und die Arbeit für wundervolle vier Stunden aus meinem Gedächtnis streichen konnte. Als ich dann im Zug nach Hause saß, habe ich auch total erschöpft und wahrscheinlich liebreizend schnarchend meinen Kopf auf dem Oberkörper meines polnischen Sitznachbarn geparkt. (Weiß nicht, wie der das Fand, als ich aufwachte und mich entschuldigte, hatten wir Verständigungsprobleme...). Naja, also war Sonstag dann Schreiben mit erschwerten Bedingungen angesagt und alles, was ich schrieb, musste ich Montags nochmals umschreiben. Montag habe ich mit einem Mon Cherié gestartet und mich gefragt, ob die Bachelorarbeit mich in den Alkoholismus stürzt, dann habe ich mir gedacht, dass das jetzt auch egal ist und als i-Tüpfelchen noch was von den Chipskrümeln hinterhergeschoben, die auf meinem Pulli klebten. An den Rest des Tages kann ich mich kaum noch erinnern, da ich verbissen und Non-Stop versucht habe, mein Thema nochmals anzupassen und noch die ein oder andere Seite (sprich: alle) anzupassen. Sowas fällt einem ja irgendwie immer nur einen Tag vor Abgabe ein, ne?

Mein Name ist Samira und ich bin Mon-Cherie-Alkoholikerin
Hat nicht funktioniert, aber machste nix. Dann behandelt halt die eine Hälfte das eine Thema mehr und die andere Hälfte ein anderes. War mir dann auch egal. Dann hab ich's halt drucken lassen (wohlweislich der netten Frau bei Staples auf PDF gespeichert) und bin einfach nach Venlo. Die Arbeit war noch nicht ganz fertig korrigiert und ich hätte durchaus noch einen Tag Zeit gehabt. Aber ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich einfach KEINEN Bock mehr hatte. Echt nicht. War mir jetzt alles egal. Ihr könnt mich mal. Ich geb das jetzt ab. Und dann? Plötzlicher Seelenfrieden. Wie auf Knopfdruck. Rien ne vas plus. Und wenn ich da jetzt durchfallen sollte, ist mir das auch egal, Hauptsache ich musste nicht eine Minute länger mit dieser Arbeit verbringen. Und soll ich euch mal was sagen: Ich bereue nichts. Denn ihr entschuldigt mich, ich gehe jetzt einhundert Millionen Jahre schlafen - naja oder bis morgen früh, dann muss ich wieder arbeiten. Over And Out :)

Abgegeben! Hier ist der Beweis.

Sonntag, 24. März 2013

Abgebissene Fledermausköpfe und die Oceans Eleven-Exitstrategie

Na ihr kleinen Schäfchen? Was macht das Leben? Ich habe mir ja jetzt schon die Freiheit genommen und meinen lieben Blog ganze zwei Monate ruhen lassen. Es sind viele Dinge in den letzten acht Wochen passiert und die Doppelbelastung meiner Agenturarbeit und der Bachelorarbeit nimmt doch schon sehr viel mehr Zeit in Anspruch als vorher gedacht. Deswegen hab ich leider nicht so Zeit euch mit meinen banalen Alltagskommentaren vollzuspammen. 

Trotzdem muss ich ja schon sagen, dass ich euch ein bisschen vermisst habe. Derzeit ist alles so furchtbar, furchtbar ernst und da kommt mir diese Abwechslung ganz gut gelegen. Heute habe ich mir vorgenommen, das böse Wort, das mit "B" anfängt und mit "achelorarbeit" aufhört lieber einfach mal nicht zu thematisieren, da ich sonst bestimmt sofort wieder suizidale Gedanken bekomme und vielleicht auch doch auf Landschaftsgärtner umschule, wie es mir der Eignungstest damals beim Abi empfohlen hat (wobei ich mich immer noch jedes mal, wenn ich daran denke, "What the fuck, liebes Arbeitsamt?!" frage - Würmer und Erde sind einfach überhaupt gar nicht mein Ding).

Er ist zwar schön, aber langsam hab ich mich an meinem Projekt schon sattgesehen...
Ich erzähle euch lieber was über mein Projekt. Denn ich habe mir ja den langgehegten Traum mit meinem Abschluss-Praktikum erfüllt, in die große weite Welt des Fundraisings und des Gutmenschentums einzutauchen. Nachdem ich zwei Monate die etwas bürokratisch angehauchte Konzeption meines Projekts hinter mich gebracht habe, in dem ich mich durch den tiefen Sumpf der Internetrecherche und den dichten Dschungel der Exceltabellen kämpfen musste (währenddessen auch oft flüchtige Gedanken darüber, vielleicht doch lieber Hausfrau und Mutter zu werden), ist mein Projekt jetzt in vollem Gange. 

Sieht man nicht so gut, aber hier hängt unser Plakat im Schaufenster.
Da bin ich schon sehr stolz drauf, geb ich zu.

Deswegen bin ich jetzt voll dabei, den Kölner Dom zu retten. Ich hab ziemlich viel zum Projekt beigetragen und bin deswegen halt einfach mal so stolz, dass ich mich in letzter Zeit auch gerne mal fröhlich hüpfend fortbewege. Das Projekt gut und wann sieht man schon mal eine Anzeige in der Zeitung, an der man maßgeblich beteiligt war und wann darf man schon mal auf dem für die Öffentlichkeit unzugänglichen Teil des Doms mit dem Dombaumeister rumchillen und Dreharbeiten überwachen, während man die ganze Stadt und die Nebenstädte überlickt (wobei ich immer gerne Richtung Bonn winke, um die Fontyspraktikanten bei der Telekom freundlich zu grüßen)? Ich gehe davon aus, dass mir diese Ehre in diesem Leben nicht mehr so oft zuteil wird. Deswegen nehme ich da jetzt so viel von mit wie möglich - bevor ich dann Koalazüchterin in Australien werde. 

Also es ist aber jetzt auch nicht so, dass ich den lieben langen Tag von Dreharbeiten zu wichtigen Terminen eile, ich bin und bleibe ja nun mal Praktikantin und ich habe deswegen auch die ehrenvolle Aufgabe, gefühlte fünf Millionen Flyer durch halb Köln von A nach B zu schleppen, aus einer Menge von 1000 bunten Losen alle roten Lose auszusortieren, weil die sich sonst mit dem rot der Kampagne beißen oder wahlweise auch bei minus fünftausend Grad im halben Schneesturm auf dem Dach des Doms stehe und Fotos mache, die dann doch nicht veröffentlicht werden (und dabei versuche, die sauteure Kamera nicht vom Dom fallen zu lassen, weil meine Finger eingefroren sind und es unmenschliche Kraft benötigt, da was festzuhalten). 

Aber ist alles nicht nur Happy Hippo. Gerne darf ich auch
mal Lose aussortieren oder bei -5000 Grad warten.

Ich lerne also gerade doch schon viele Dinge für's Leben. Das hat allerdings den Effekt, dass ich zur absoluten Spaßbremse mutiere, weil ich Abends nach meinen Heldentaten einfach nur noch erledigt bin. Platt. Total fertig. Tot. Manchmal sogar so daneben, dass ich sehr lange dem Eingabesymbol auf meinem Worddokument beim blinken zusehe, ohne dabei irgendwas zu denken, geschweige denn irgendwas zu machen. Deswegen steht da auch noch nicht so viel bei dem bösen Wort mit "B". Aber ich hab mich umgesehen, die anderen haben auch noch nicht so viel, das beruhigt mein Gewissen wieder ungemein.

Manchmal versuche ich mich selber immer damit zu rechtfertigen, dass ich mich ja den lieben langen Tag für das Allgemeinwohl opfere und das böse Wort mit "B" dementsprechend zweitrangig ist. - Aber machen wir uns nichts vor. Wenn ich einen Abschluss haben und nicht als Imbissbudenfachverkäuferin (was vielleicht aber doch ein Lebenstraum sein könnte und das ist mir vielleicht einfach nicht klar) oder als die verrückte Alte, die morgens im Penny immer Wodka kauft (definitiv keine Option) enden möchte, muss ich das Ding jetzt halt mal schreiben. So ein Mist!

Gut, vielleicht bin ich beim bösen Wort mit "B" auch abgelenkt...

Aber ich habe, falls gar nicht mehr geht, meine Exitstrategie auf jeden Fall bereit. Über unserem Büro ist nämlich das Atelier von Gerhard Richter, diesem unwahrscheinlich krassen Künstler, der die Blätter, auf denen der seine Pinsel sauber macht, noch für drei Trilliarden Dollar verkaufen kann. Der lässt nämlich mal ganz gerne Kisten mit Kunst in unserem Flur stehen und ich frage mich, wie viel ich dafür bekommen würde, wenn ich da mal so ne Kiste mitgehen lasse. Gut, außer ebay hab ich jetzt keine Schwarzmarktkontakte, aber wenn es brenzlig wird, finde ich da bestimmt jemanden. (Wenn einer interessiert an so ner Oceans Eleven Nummer ist - kommt gerne auf mich zu. Aber ich bin Danny Ocean, damit das gleich klar ist!)

Mein Ticket in die Freiheit muahahaha.

Auch mache ich gerade selber die Erfahrung, wie das so ist, wenn man als junge und hippe Agenturpraktikantin versucht was bei großen, konservativen Organisationen durchzukriegen. Einige Dinge dürfen nämlich nur "von ganz Oben" genehmigt werden und das ist - nun ja - müheselig. Es gab da schon so den ein oder anderen Tag, an dem ich mir an den Kopf gepackt habe und erst mal ne Runde schreiend im Kreis laufen musste.

Ich will dem Dom ja auch nur was Gutes aber anscheinend denken einige Menschen, dass ich schwarze Messen mit umgedrehten Kreuzen, abgebissenen Fledermausköpfen und Satansbotschaften rückwärtsgespielter Pink Floyd-Platten im Dom abhalten möchte. Aber gut, ich rechne da in nächster Zeit nicht mehr mit einem Durchbruch. (Wir haben trotzdem eine Facebookseite, die hab ich durchgekriegt muahahahahahahaha. Schaut mal rein und werdet auch gleich Fan - ich will hier ein Exempel statuieren, dass Facebook voll der heiße Scheiß ist aber derzeit sprechen die Zahlen frustrierenderweise gegen mich: Klikksu hier). 

Arbeiten mit der katholischen Kirche.
Da braucht man die Karte schon ab und zu.
Wegen all dem Trubel hier phantasiere ich in letzter Zeit überigens ziemlich viel über Urlaub, der mir aber bis Juli nicht gegönnt sein soll. Ich habe mir den halben Mai freigenommen, aber das kann man ja nicht wirklich Urlaub nennen. Das wird ja eher so ein Selbstversuch, mit wie vielen Leuten man sich innerhalb von zwei Wochen verkrachen kann (die meisten meiner engsten Bezugspersonen sind ja mittlerweile zukünftige Fontysabsolveten und ihr kennt das ja - Druck macht einen immer so unwahrscheinlich gesellschaftsfähig, besonders wenn beide Seiten den haben), wie viel Energydrinks ich in der Zeit konsumieren kann, so dass ich mich nur an der Grenze zum Draufgehen befinde und wie viele Tage ich es in Folge schaffe, mich nicht anziehen zu müssen.

Aber soweit ist es ja noch nicht. Jetzt rette ich erst mal den Dom, revolutioniere ganz bescheiden die katholische Kirche und halte Ausschau nach Priestern, die mich vielleicht irgendwo anschnallen und Facebook aus mir raus exzorzieren wollen. Over And Out :)

Sonntag, 27. Januar 2013

Ha. Haha. Hahahahahaha.

So, ist mal wieder so weit, ne? Ich zieh mal wieder um. Yay. Ganz heiße News für euch, nicht wahr? Mach ich ja sonst nie. Wenn ich mich recht erinnere, bin ich in den letzten fünf Jahren sage und schreibe sieben Mal umgezogen. Irgendwann wird das ja schon so ein bisschen zur Routine und irgendwie ist dann auch keiner mehr so richtig geschockt. Will auch keiner mehr auch so richtig helfen. Wieso auch? Erstens ziehe ich so oft um, dass man da eh keinen Bock drauf hat, jedes halbe Jahr beim Umzug zu helfen und zweitens habe ich meine Habseligkeiten mittlerweile so optimiert und auch minimiert, dass ein fixer Umzug mit maximal zwei Menschen ruckizucki über die Bühne gebracht werden kann (zweite Person wird auch nur benötigt, weil ich für einige Dinge einfach zu klein bin. Sonst wäre die auch überflüssig).

Aber dieses Mal ist es schon noch ein bisschen anders. Dieses mal ziehe ich bei meinen Eltern aus for good. Nachdem ich ja im Sommer nach vier Jahren Abstinenz meinen Eltern wieder ins Nest gecrasht bin, weil nach meiner Rückkehr aus Schweden ein weiterer Umzug für vier Monate Reststudium an der Heimuni absolut lächerlich erschien, wollen sie glaube ich dieses Mal sicher gehen, dass denen das nicht noch mal passiert. Also geht jetzt alles raus - Vorbei der Luxus mit der 15m²-Lagerhalle im Elternhaus. Aber jetzt hatte ich wenigstens mal die Gelegenheit, meine ohnehin schon wenigen Habseligkeiten noch weiter zu minimieren (Ja, liebe Controller. Ich mach zwar Marketing, aber ich kann auch Effizienz - allerdings nur privat). Und siehe da: Das ist alles, was ich besitze. Hat auch sage und schreibe 90 Minuten gedauert, alles zusammenzupacken und auseinanderzuschrauben. Mein neuer persönlicher Rekord.

Das war's. Mehr hab ich nicht.
Und da ich dann jetzt auch meine gelagerten Habseligkeiten nach langer Zeit mal wieder in Augenschein genommen habe, ist da auch die ein oder andere Schrecklichkeit aus der Zeit meines Studienbeginns zum Vorschein gekommen. Ich sag nur: Der gute alte PLA7-Bericht. Prinzipiell nur ein zwölfseitiger Bericht über eine Unternehmensanalyse (aus heutiger Sicht einer Achtsemesterin ein Walk in the Park) unprinzipiell damals unsere Nemesis. ZWÖLF Seiten? Wie sollten wir das nur bewerkstelligen?! Allerdings kann ich unsere damaligen Ichs auch gut verstehen. Wir hatten halt absolut keine Ahnung von wirtschaftlichen Themen. Wie sollten wir da dann zwölf Seiten drüber schreiben? Als ich das Ding in die Hand nahm, hatte ich schon befürchtet, dass ich damals keinen Plan hatte. Aber das wahre Ausmaß hat mich dann bei genauerer Betrachtung des Berichts doch schon einserseits schockiert aber andererseits auch köstlich amüsiert.

Als ich den mal so durchgeblättert habe, habe ich mir auch die Zeit genommen, mein Erstsemester-Ich mal so richtig übel auszulachen und mich auch vor Amüsement auf dem Boden zu kullern. Oh man, was hatte ich keinen Plan. Man sieht schon an der Überschrift dieses peinlichen Dokuments meiner Anfänge in den Wirtschaftswissenschaften, dass ich ernsthaft eine Unternehmensanalyse über eine MARKE durchgeführt habe. Wer sich als Mitstudent gerne mit der flachen Hand gegen die Stirn klatschen möchte - ich gebe euch an dieser Stelle die gerne Zeit dafür, indem ich hier einen Absatz einbaue. 

Unternehmensanalyse über eine Marke? Gratulation Samira. Du hast keinen Plan.
Mir tut auch der arme Mann von der Mercedes-Benz-Niederlassung leid, den wir in unserer Gruppe interviewt haben. Versucht mal, wein professionelles Interview über Wirtschaftsfragen durchzuziehen, wenn ihr seit genau acht Wochen studiert und vorher eigentlich immer geflissentlich den Wirtschaftsteil in der Zeitung ignoriert hat. As heutiger Sicht würde ich mich da jetzt eben zwei Nachmittage dransetzen und das eben runterschreiben, weil es inhaltlich nicht sonderlich anspruchsvoll und mit meinem heutigen, ziemlich fundierten Wirtschaftswissen nicht sonderlich rechercheintensiv ist. Aber aus Erstsemestersicht, wenn man echt keinen Plan hat, ist der Bericht gar nicht mal so einfach. Heute guck ich auf die Unternehmensstruktur und hab in spätestens dreißig Sekunden raus, wie der Laden funktioniert und wahrscheinlich auch, wie der unternehmensstrategisch und auch markenstrategisch (Genau, Erstsemester-Samira: DA GIBT ES EINEN GRAVIERENDEN UNTERSCHIED) aufgestellt ist, aber damals musste man sich da halt erst mal da reinarbeiten.

Auch wenn ich sämtliche Module des ersten Semesters mit Bravour bestehen würde (außer Mathe natürlich - Wie sagte mein Mathelehrer in der Oberstufe damals so schön? "Samira, siehst du die Lichter da hinten? Wink denen mal. Das sind die Lichter des Mathe-Zugs, der für dich schon vor langer Zeit abgefahren ist"). Trotzdem möchte ich auf absolut keinen Fall jemals wieder mit meinem Erstsemester-Ich tauschen. Da bin ich nämlich ganz ehrlich: Nach acht Wochen Studium war ich eigentlich ziemlich sicher, dass ich das zweite Semester an der Fontys bestimmt nicht antreten werde. Denn das erste Semester - wenn nicht gar das ganze erste Jahr - ist hart. Sehr hart. Wenn erst mal die ganze Euphorie von der Intro und den ganzen Partys und den neuen Leuten abgeklungen ist, merkt man nämlich schnell: Oh mein Gott. So wie im Fernsehen ist das Unileben nämlich nicht und man fragt sich ziemlich schnell, was man da eigentlich macht. 

Achievement unlocked. Eins der härtesten ever.
Man ist, nachdem man sich in der Schule dann von der fünften Klasse in der Hierachie wieder bis zur 13 hochgekämpft hat, wieder ganz, ganz unten angekommen und bekommt das auch gerne zu spüren (muss man durch. Ich mobbe auch leidenschaftlich gerne Erstsemester. Das ist ein Privilieg, das man sich erarbeiten muss). Und die Fächer im ersten Semester sind auch nicht ohne. "Ich habe Mathe noch nie ohne Defizit in der Schule abgeschlossen - Wieso tu ich mir diese Wirtschafts-Mathe-Vorlesung eigentlich an? Wie soll ich das jemals bestehen?" Auch muss man sich erst mal an die ganzen neuen Menschen gewöhnen und es dauert ziemlich lange, bis man so sein Grüppchen gefunden hat, das zu einem passt. Vorher versucht man es halt mal so mit dem und dem und merkt irgendwie: Ich habe mit diesen Menschen absolut nichts gemeinsam. Auch ist die Zeit der Kuscheleinheiten vorbei. Mein PLA7-Dozent hat mich das sehr gut gelehrt. Der war die Dr. House. Original. Genauso gemein, bissig und auch unberechenbar. Ich fand den im Fernsehen immer sehr witzig und sympathisch. Aber wenn man Dr. House dann in Person erlebt und auch gut und gerne mal die volle Breitseite bekommt, ist das gar nicht mehr so cool. 

Im Nachhinein bin ich meinem PLA7-Dozenten glaube ich ganz schön dankbar. Es war die erste Lektion, die ich an der Fontys über das richtige Leben da draußen gelernt habe und der Dozent stellte sich im Nachhinein mehr als ein Dr. Cox von Scrubs, als ein Dr. House raus. Wenn man ihm gezeigt hat, dass man es drauf hat, hat man seinen Respekt verdient und das Leben wurde im Einiges angenehmer - wenn auch immer noch kein Ponyhof (Auch als ich seinen Respekt schon hatte, hat er mir mal in der Vorlesung vor allen Menschen geraten, mir vielleicht doch lieber noch einen Versorger zu suchen, statt zu studieren, so lange mein niedliches Gesicht noch keine Alterserscheinungen aufweist. Beleidigung: Check. Sexismus: Check. Unangebrachtes Verhalten: Check. Peinlichkeitsfaktor 5000: Check. Lektion gelernt, dass man besser nicht während der Vorlesung Bubble Shooter spielt: Check). Auch die Fächer werden angenehmer, wenn man sich nach dem einen Jahr Vordiplom und genereller Orienterung spezialisiert. Und man hat seine Leute gefunden, mit denen man klarkommt und die einen verstehen. Aber bis dahin ist es ein langer Weg und den möchte ich eigentlich echt nicht mehr machen.

Samira 2009 und Samira 2013
Dann schreib ich lieber jeden Monat eine Bachelorarbeit. Dieses Mal habe ich nämlich meinen festen Platz in dem ganzen Wahnsinn und muss ihn nicht erst noch finden. Over And Out :)

P.S.: Was mich jetzt so im Nachhinein nämlich bezüglich meines Berichts an dieser Stelle wundert: Wie habe ich es in aller Herrgottsnamen zu einer 7.5 gebracht? Allein schon die Überschrift schreit doch schon DURCHGEFALLEN. So böse kann der Dozent also auch damals schon gar nicht gewesen sein, wenn der das noch mit einer okayen Note durchgehen lässt. 

Sonntag, 20. Januar 2013

"Einmal Ausrasten zum Mitnehmen, bitte!"

So, diese Woche hat dann mein Projekt auch mal richtig angefangen. Statt mich weiterhin mit der gemeinen Kuhschelle zu beschäftigen, habe ich die vergangene Woche dann auch mal nicht das gemacht, was ein mittelschlauer Schimpanse auch hätte machen können. Diese Woche bin ich dann zur Dekoration aufgestiegen. Und was für einer. 

Worum geht's? Lasst mich das jetzt noch mal versuchen. Letzte Woche bestand nämlich einer meiner Tasks daraus, das Projekt kurz und knackig unserer Traineuse zu erklären und ich bin kläglich gescheitert (Die Tatsache, dass mein Verstand funktioniert wie ein Flipper hat sich immer noch nicht gebessert: "Also es geht um den Dom. Oh, ein Fussel. Schau mal! Ein Post-It!...). 

Jetzt also ein Versuch ohne akutes ADHS: Es geht darum, Mitglieder für den Verein zu gewinnen, der sich um die Instandhaltung des Kölner Doms kümmert. Der Dom gehört nämlich weder der katholischen Kirche noch der Stadt Köln, sondern den Bürgern. Und deswegen sorgen die Bürger auch dafür, dass der Dom so hübsch bleibt, wie er gerade ist. Problem dabei: Das ist ziemlich teuer und auch ziemlich aufwändig. 


Die Instandhaltung dieser kleinen Kirche braucht ein bisschen finanzielle Zuwendung...

Was viele von euch nämlich wahrscheinlich nicht wissen: Vor dem Dom gibt es die sogenannte Dombauhütte, in der es die Aufgabe unzähliger Steinmetze ist (ich bin jetzt zu faul das zu recherchieren, wie viele genau. Als ich diese Woche da war, konnte ich sie zumindest nicht zählen - also true Story), die Teile des Doms nachzuhämmern, die halt kaputtgegangen sind. Für so einen Stein braucht ein Steinmetz dann auch gut und gerne mal ein Jahr. Mich persönlich würde das ja wahnsinnig machen, wenn ich jeden Tag zur Arbeit käme und immer nur an einem Stein rumkloppen würde - aber die Leute, die da arbeiten, haben da richtig Spaß dran. 

Und wenn man sich das dann mal genauer ansieht, kriegt man automatisch ganz große Augen, weil das richtig krass ist, wie geduldig die da richtig detailgetreu minimikroklitzeklitzeklitzekleine Blümchen reinmeißeln, obwohl der Stein so in etwa 300 Metern Höhe aufgehängt wird und das eh keiner aus der Entfernung sieht. Aber der Kölner Dom ist halt nun mal UNESCO-Welterbe und Deutschlands meistbesuchte Sehenswürdigkeit - da kann man sich das auch ruhig mal was kosten lassen. Habe auch kurz überlegt, ob ich das Studium schmeißen und Steinmetzin werden sollte, aber ich machen wir uns nichts vor: Ungeschickte Grobmotorikern, die ich nun mal bin, würd ich erstens sofort mit einer Macke im kostbaren Stein beginnen und zweitens käme da höchstens abstrakte Kunst raus ("Oh, ein Eichhörnchen... Sieht ... interessant ... aus" - "Nein, eigentlich ist es der Kreuzweg, aber danke..."). 

Ich hab mich dann auch auf den Termin vorbereitet. 

Naja, diese Woche war die Aufregung dann richtig groß, weil Frank Schätzing - der abgefahrene Autor - Schirmherr der Aktion ist und wir ein Video in der Dombauhütte mit ihm gedreht haben, in der er einen Spendenaufruf macht. Ich als aufstrebende Jungautorin (also naja, aufstrebend ist da das falsche Wort - ziemlich abgelenkte und faule Jungautorin, die nix hinkriegt wäre da vielleicht besser ausgedrückt) fand das natürlich seeeeeehr cool. Aber wie das halt so ist, wenn jemand Berühmtes kommt, wollen alle ein Stück von dem Celebrity-Kuchen abhaben. Also hat sich für den Dreh jeder, der irgendwie im Entferntesten eine Ausrede hatte, zu dem Dreh zuzustoßen, dazugestellt. Ich war also nur die flotte, lächelnde aber ansonsten stille Agentur-Praktikantin, die sich sehr, sehr, sehr fehl am Platz fühlte. 

Die größte Action, die ich mit Frank Schätzing hatte, war, dass der mir zum Abschied die Hand geschüttelt hat. War also jetzt doch nicht soooo aufregend. Ich fand die Steinmetze in der Hütte und deren Arbeit gleich viel spannender und hab eigentlich auch wenig Augen für Frank Schätzing während des Drehs gehabt, weil ich konzentriert versucht habe, nichts kaputt zu machen. Der Typ neben mir hat sich nämlich vom Dreh nicht sonderlich beeindrucken lassen und hat irgendso eine klitzekleine Arbeit auf einem Riesenstein gemacht und ich hatte schon innerlich vor Augen, wie ich stolpere, dagegenfalle, der Stein runterkracht und ein Jahr Arbeit für die Katz war. Machen wir uns nichts vor. Ihr kennt mich. Dieses Szenario ist keinesfalls an den Haaren herbeigezogen. 

Kommt schon. Der ist halt auch cool. Da kann man ruhig mal ausrasten.

Naja, meine Coolness habe ich dann aber total verloren, als der Kameramann sich vorstellte. Der war irgendwie umständlich über meinen Chef organisiert worden, weil die beiden Freunde sind. Am Anfang sagt der dann so nebenbei, dass er nicht sooo viel Zeit hat, weil er gleich noch nach Berlin fährt, weil er mit Michael Wigge für eine neue Fernsehshow ein Casting macht. Ihr kennt Michael Wigge vielleicht nicht, aber ich bin einfach mal Fangirl #1. Da hab ich dann gleich mal meine ganze Professonalität vergessen und bin AUSGERASTET vor Freude. Der Kameramann hat sich glaube ich auch gefreut, dass einer 1. Die Show kennt und 2. dann auch noch so ein Riesenfan ist. War dann auch mal so frei, den gleich zuzutexten. "Oh man. Das muss so abgefahren gefährlich gewesen sein, als ihr da versucht habt, den Edelstein zu tauschen... Oder da mit dem Gold! Das war auch voll heftig! Michael Wigge ist einfach mal soooooo witzig!".

Mein Kollege hat dann versucht, mir mit den Augen mitzuteilen, dass ich jetzt mal ein bisschen auf meiner Polly Pocket-Insel chillen soll. Aber ging nicht. Michael Wigge, man! Aber gut, ich hab mich dann auch wieder eingekriegt, weise aber den Kameramann bei jeder Kommunikation via Telefon und E-Mail darauf hin, dass er Michael Wigge grüßen soll (Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich es als Running Gag etabliert habe oder tatsächlich ernst meine...). Diese Woche war also zwar so aufregend wie erwartet, ist allerdings ganz anders ausgegangen, als ich gedacht habe. Naja, das war es dann auch mal wieder von meiner Seite, diese Woche. Ich hoffe, euch geht es gut. Meldet euch gerne mal, liebe Mitstudenten. Das ist immer total unfair, dass ihr wisst, was ich mache und ich nicht, was ihr macht. Over And Out :)

Sonntag, 13. Januar 2013

Die Kuhschelle und ich - Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

So, ich bin dann auch mal wieder da. Langsam legt sich der Trubel mit dem Praktikum auch und es stellt sich langsam so etwas wie Alltag ein. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mit diesem Konzept "Alltag" noch nicht so ganz d'accord bin, wenn ich ganz ehrlich bin. Derzeit pendle ich ja noch jeden morgen von meinem Kuhdorf ins schöne Köln und muss deswegen pervers früh aufstehen. 

Es ist schon ziemlich demotivierend, wenn einem morgens auf der Digitalanzeige des Radioweckers dann immer so eine 6 ins Gesicht strahlt. Ziemlich hochgradig perverse Zeit aufzustehen, wenn ihr mich fragt. In meinem Kopf erliege ich dann immer mindestens die Nachrichten und das erste Lied nach den Nachrichten dem Trugschluss, dass es noch so viel schöner war, als ich noch regulär studiert habe. Beim zweiten Lied fällt mir dann wieder ein, dass ich in Klausurphasen immer kurz davor bin, mir diese Zwangsstörung zuzulegen, bei der man sich krankhaft die Haare ausreißen muss und dann ist um 6 Uhr aufstehen dann plötzlich doch nicht mehr sooo schlimm.

Nie wieder tu ich mir das an. Klausuren sind der Teufel!
Speaking of Which: Ich möchte an dieser Stelle nochmals ganz stolz verkünden, dass ich letzte Woche auch noch die letzten Klausur-Ergebnisse bekommen habe und jetzt offiziell scheinfrei bin. Booya! Ihr könnt mich also alle mal! Ich werde nie wieder eine Klausur schreiben. Nie, nie, nie, nie, nie, NIE wieder! Zwar habe ich alles nur so mittelmäßig bestanden und da ist nichts wirklich besser als 6 irgendwas, aber dat is mir getz auch Wurscht.  Bevor ich in einen Retake gehe, stanze ich mir doch lieber mit einem Locher die Augen aus. Nee. Das hab ich jetzt eindeutig gelernt: Klausuren sind nix für mich. Dann lieber Regale beim Penny einräumen - das ist erstens besser bezahlt als zu studieren und zweitens auch besser für mein Seelenheil (das meine ich todernst). Ich lern jetzt so schnell nichts mehr auswendig. Selbst wenn ich sieben Tage die Woche um 6 Uhr aufstehen müsste wäre ich immer noch nicht halb so fertig wie ich es in der Klausurphase war.

Stattdessen bin ich also jetzt Vollzeitpraktikantin und arbeite "für eine bessere Gesellschaft" (Original-Claim der Agentur, in der ich arbeite). Derzeit besteht meine Mission in Sachen bessere Gesellschaft noch darin, die Praktikantin des Praktikanten zu sein. Das ist ganz witzig. Mein eigenes Projekt kommt jetzt erst so langsam ins Rollen und das des anderen Praktikanten ist derzeit in vollem Gange. Deswegen unterstütze ich ihn natürlich bei seinem Projekt, für eine Bank einen viralen Wettbewerb für Karnevals-Vereine zu betreuen, bei denen der Verein mit den meisten Stimmen einen ziemlichen Haufen Geld gewinnt. Wenn ich sage, dass ich das Projekt unterstütze, meine ich damit, dass ich ziemlich viele Flyer abwiege, Schreiben vorbereite und Briefmarken aufklebe. So richtig schöne Praktikanten-Aufgaben halt. 

Ach und ihr werdet euch sicherlich fragen, wieso wir in einem viralen Wettbewerb so viel Oldschool-Post schreiben. Zitat Chef: "Wenn der virale Teil anfängt, ist unsere Arbeit bereits getan". Jajaja, dieses virale Zeug ist also kein Stück nur digital, da sollte man sich keine Hoffnungen machen. Aber das will ich ja auch nicht. Ich bin ja schon sehr froh, dass ich auch mal klassische Marketing-Aufgabenn ausführe und nicht immer nur die modernen. Das ist ja auch Dauer auch ziemlich ermüdend. Eigentlich war das ja auch mein Ziel für das Bachelor-Praktikum (wobei mich mein Dozent für E-Marketing angesehen hat, als hätte ich soeben einem Babykaninchen den Kopf abgebissen, als ich ihm von meinem Vorhaben erzählte). Derzeit mache ich also modern und klassisch. Kann ich also auch noch was lernen. Digital habe ich ja in der Praxis nun wirklich mehr als genug kennengelernt und das klassische Marketing einfach mal so gar nicht. 

Die Waage, die Kuhschelle, die Flyer und ich sind ein eingespieltes Team.

Aber soll ich euch mal was verraten? Nach der Klausurphase ist das schon eigentlich ziemlich cool. Einfach den Kopp zumachen und stumpfe Aufgaben ausführen. Zudem ist mir die gemeine Kuhschelle, die derzeit auf den 58-Cent-Briefmarken abgebildet ist, doch schon ziemlich ans Herz gewachsen. Erst fand ich die ein bisschen hässlich, aber je öfter ich sie gesehen habe (so etwa 500 mal), desto hübscher fand ich sie. Ich nenne es den James-Franco-Effekt. Den finde ich mittlerweile auch ganz ansehnlich, obwohl ich beim ersten Anblick "What the fuck?!" gedacht habe. Oder den A.-Effekt. A. und ich fanden uns nämlich bei unserer ersten Begegnung auch gegenseitig hochgradig unsympathisch und jetzt sind wir gefühlt seit einer Milliarde Jahre BFFFFF². Die gemeine Kuhschelle ist halt eine Charakterblume und ich musste sie erst mal ein bisschen besser kennenlernen. Ich bin sicher, dass das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist.

Allerdings bin ich auch nicht die Einzige, die sich mit der gemeinen Kuhschelle befasst. Wer Zeit hat, muss Briefe machen. Auch der Chef. Da es nur eine sehr kleine Agentur ist, gibt es da nicht sonderlich hierarchische Strukturen. Ich muss das Organigramm nicht mal sonderlich umdrehen um der Chef im Laden zu sein. In der Agentur zu arbeiten ist irgendwie, als hätte man einfach acht Stunden am Tag für die Playbär-Gruppenarbeit geblockt. Ist manchmal auch genauso absurd. Mittagessen gibt es, wenn Zeit ist (also so um drei), manchmal brauche ich ewig, einen Text zu schreiben, weil es sich mit einer Hundeschnauze (es herrschen zooähnliche Zustände) auf dem Arm halt schlecht schreiben lässt und man kann noch so viele Stifte horten - Chef schafft es doch immer noch, jeden einzelnen davon abzuziehen.

Praktisch. Der ist dann doch zu auffällig zum Abziehen.
Aber langsam gewöhne ich mich daran, wie das halt so läuft. Auf jeden Fall sehr sympathisch. Man muss nur wissen, wie man damit umgeht. Dann morgens halt doch mal frühstücken, damit man bis drei Uhr nicht verhungert ist, seine linkshändischen Tastaturskills ausbauen und mit der rechten hand den Hund kraulen und diebstahlsichere Stifte in Form glitzernder Plüschvögel mitbringen. Dann klappt das auch mit dem Praktikum. Over And Out :)

Sonntag, 6. Januar 2013

Resozialisierungprogramm für Klausurphasenopfer

So, da bin ich dann auch mal wieder. Mittlerweile habe ich ja das Praktikum schon angetreten und bin deswegen ein bisschen busy, weswegen ich die letze Woche nicht sooo die Zeit für literarische Ergüsse hatte.   Jetzt geht ja wieder der Ernst des Lebens los und ich hänge nicht mehr den lieben langen Tag bei Facebook rum. Trotzdem nehme ich mir an dieser Stelle raus, das Praktikum erst mal vorweg zu lassen und die Spannung bis nächste Woche aufzubauen. 

Diese Woche möchte ich euch nämlich gerne von meiner Rezosialisierung in die Gesellschaft berichten. Man kennt das ja: Wenn Klausurphase ist, baut man sich in seinem Zimmer eine Höhle, schmeißt sich in die Jogginghose des Vertrauens und nimmt ab da an nur noch Nahrung in Form von Energy Drinks und Snickers zu sich. Soziale Kontakte bestehen nur noch aus wirren Facebooknachrichten anderer Kommilitonen, die einen in den Wahnsinn treiben, weil sie einfach Fragen stellen zu Themen, die man sich entweder noch nicht angesehen hat oder von denen man noch nie in seinem Leben gehört hat und das Gefühl von Zeit und Raum lässt auch mehr und mehr nach, weil man gerne mal bis drei Uhr morgens lernt und dann so um zwölf die Augen wieder aufschlägt.


Wenn das dann natürlich so vier bis sechs Wochen so geht und man jegliches Zeitgefühl, sämtliche soziale Kontakte und Regeln verloren hat, braucht man da schon so ne Woche um wieder ein bisschen auf seiner Polly Pocket Insel klarzukommen. Seit Weihnachten habe ich dann nämlich nur noch Quatsch gemacht. Da ich mich ja während der Klausurphase an der Vorstellung festgehalten habe, nach Madagaskar durchzubrennen und dort den ganzen Tag mit dem Löwen, dem Zebra, dem Nilpferd und der Giraffe "I like to move it move it" zu singen und zu tanzen, habe ich ganz gemäß des dritten Madagaskar-Teils eine Woche lang alle mit dem Afro Circus Dance genervt. 

Generell war die Stimmung auch ein bisschen wie im Clip, alle sind irgendwie total durchgedreht. Deswegen habe ich es mir an Silvester auch nicht nehmen lassen, mich endlich wieder in die richtige Welt zu stürzen und mal so abzuchecken was in diesem "Draußen" da so abgeht. Da ich allerdings auch an Silvester immer noch nicht so ganz sozialkonform war, bin ich zum Übergang mit Glitzerhut und riesigen falschen Wimpern dann wieder in die Gesellschaft eingegliedert worden. Und siehe da, an Silvester fällt das auch gar nicht so auf. An anderen Tagen hätte man mich mit einer Dragqueen verwechselt, aber an Silvester geht das anscheinend auch voll klar.


Und wie ihr auf dem Bild seht (ihr könnt mir gerne an dieser Stelle applaudieren), war ich zu diesem Zeitpunkt auch schon wieder dazu in der Lage mich erstens anzuziehen und zweitens auch noch ORDENTLICH anzuziehen. So richtig mit Haare machen und in eine Strumpfhose quetschen und so. Nach sechs Wochen aussehen wie Luise Koschinky auch echt mal wieder eine Wohltat. Dann habe ich aber auch relativ schnell gemerkt, dass ich in Sachen Alkohol doch schon ziemlich aus dem Training bin und habe da lieber mal ein bisschen tiefer gestapelt. 

Also ich habe es zumindest versucht. Aber mein Vorsatz, dass ich mehr Selbstdisziplin an den Tag legen will, galt leider erst ab zwölf Uhr und vorher blieb da noch viel Platz für Eskapaden. Das hatte zur Folge, dass ich um zwölf dann auch nichts mehr auf meinen Vorsatz gegeben habe und dementsprechend eine innige Beziehung zu jemandem namens Cuba Libre aufgebraut habe. Ich möchte an dieser Stelle noch mal erwähnen, dass das ein Fehler war. Ein sehr großer Fehler. Denn wenn man am 1. Januar mit Ganzkörperschmerzen im Bett liegt (wollte die Schuhe ausziehen, habe die Balance auf meinen Stripperabsätzen verloren, mich im ziemlich fliesenlastigen Flur auf's Maul gelegt, das tat total weh und ich wollte nur kurz die Augen zumachen, bis ich eine Stunde später dann auch mal wieder aufgewacht bin und noch mehr Schmerzen hatte) und zudem auch noch total übermüdet ist, dann ist der 2. Januar auch noch nicht so tippi toppi, was sich dann als Problem rausstellen könnte - wenn das Praktikum denn dann anfängt.


Aber auch das konnte ich erfolgreich meistern - auch, wenn ich das mit dem normalen Zeitrhythmus eines Normalsterblichen wahrscheinlich auch in den ersten vier Wochen noch nicht hinbekommen werde. Das ist aber auch nicht so schlimm, weil ich ja noch nach Köln pendel und morgen schön noch ne Stunde im Zug Bubu machen kann. (Aber ich glaube, das mache ich nicht mehr. Freitag hab ich nämlich irgendwann mal die Augen aufgemacht und ein vermutlich Obdachloser - vielleicht auch Hipster - saß gegenüber von mir und hat mich total irre angestarrt).

Zum Schluss möchte ich euch dann auch noch von meiner abgefahrenen Errungenschaft berichten. Ihr erinnert euch an das Rumgenöle wegen CRM? Ts. Völlig umsonst. Hab ich mit 5.7 "gerockt". Bin dann auch gleich mal schreiend im Kreis vor Freude durchs Büro gelaufen, als ich das gesehen habe (was nicht gerade förderlich für mein Image war. In der ersten Woche versuche ich ja immer noch meinen Wahnsinn zurückzuhalten und zu verstecken - man muss mit der Wahnsinns-Tür ja nicht gleich ins Haus fallen...). Na geht doch. Ich werde also von meinen Mordgedanken gegenüber Wilhelm Brause erst mal wieder absehen. An dieser Stelle würde ich dann gerne mein Blink-182 Poster grüßen, dem ich meine CRM-Vorträge beim auswendiglernen gehalten habe (Der Linke kann jetzt super Vertrieb, der in der Mitte kann den Großteil von CRM und der Rechte kann alle Kundenbindungs-Modelle). So, das war's dann auch schon wieder für diese Woche. Over and Out ihr Lieben :)

Sonntag, 30. Dezember 2012

Wilhelm Brause muss sterben!

So, da bin ich wieder. Die letzte Woche war es ja ziemlich ruhig hier auf dem Blog, weil ich mir auch mal ein bisschen Ruhe gegönnt habe. Hier die letzte, doch ziemlich ereignisreiche Woche in a Nutshell: Nachdem ich letzten Freitag die letzte Klausur geschrieben habe, bin ich irgendwie erst in ein Koma gefallen, dann habe ich auf die Uhr gesehen und festgestellt, dass Weihnachten ist, anschließend bin ich wieder ins Koma gefallen, dann mal wieder auf die Uhr gesehen und festgestellt, dass jetzt schon wieder Silvester und Neujahr ist und dann finally die Erkenntnis gehabt, dass Mittwoch mein Praktikum startet. 

Weihnachten ganz kurz: A. hat ein U-Boot gemalt.
Mein Vater hat gute Deko-Ideen für den Kopf
Ich halte einen Pfannenwender.
Meine Schwester macht Quatsch mit dem Gesicht
Uiuiuiuiui. Ziemlich viel Zeug also passiert. Und ich kann feierlich verkünden, dass ich wegen den Klausuren nicht total wahnsinnig geworden bin. Letzten Dienstag nach CRM hatte ich mal kurz das Gefühl, dass es jetzt an der Zeit ist, sich in Embryonalstellung ins Bett zu verkriechen, zu weinen und ganz doll darauf zu warten, dass die Maya doch richtig lagen. Das Resultat meiner Klausurvorbereitung war nämlich das folgende: Nach drei Tagen intensivem Fakten in den Kopf hauen, von dem ich auch nur die Hälfte wirklich verstanden habe (Noch mal Grüße an meinen Chef im Verlags-VERTRIEB - Sorry, Vertrieb hab ich nicht theoretisch nicht kapiert) und eigentlich dem Gefühl, das ich das schon irgendwie meistern werde, weil ich mich wirklich angestrengt habe und viel gelernt habe, die große Frage bei meinem ersten Erblicken der Klausur: WAS ZUR HÖLLE IST DIESE DRECKSKACKE?! DAS HABE ICH IN MEINEM LEBEN NOCH NICHT GESEHEN!!! 


Kurz den Impuls gehabt, sofort aufzustehen und den Tisch umzuschmeißen, dann mir das mit der Embryonalhaltung noch mal durch den Kopf gehen lassen und dann Mordgedanken gegen Wilhelm Brause gehegt. Wilhelm Brause ist nämlich der Kern allen Übels. Wilhelm Brause ist der Typ, der immer sowohl in den Übungs- als auch in den Klausurphasen vorkommt. Der Typ weiß nichts, der Typ kann nichts und der Typ fragt dich dann immer um Rat. Ständig hat ist der bei nem neuen Unternehmen in einer ganz anderen Branche und steht vor neuen Aufgaben. Wahrscheinlich wechselt er also die Stelle, weil der ne totale Nullnummer ist und er ergo im Wochentakt gekündigt wird. Meine Fragen an dieser Stelle: 1. Wieso stellt einer den Typen überhaupt noch ein? 2. Das ist doch kein Vorbild, wieso müssen wir uns den antun?

Ganzer Stress umsonst (Foto offensichtlich nachgestellt ist aber mehr als nur ein Mal so vorgekommen)
Wie man also sieht, bin ich auf CRM im Allgemeinen und Wilhelm Brause im Besonderen auch nach zwei Wochen immer noch nicht gut zu sprechen. Als ich von der Klausur nach Hause kam, hatte selbst der schlechte Laune Schlumpf bessere Laune als ich, ich war total müde, total fertig und hatte trotzdem noch zwei Klausuren vor mir. Und was macht man da als gestandene Frau des 21. Jahrhunderts? Ja, genau. Erst mal vor lauter Wut und lauter Gram weinen wie ein kleines Mädchen und alles hassen. Der typische Nervenzusammenbruch in der Mitte der Klausurphase. Same procedure as eyery year. 

Mein Word wollte mich dann auch noch ein bisschen provozieren...
Dann aber die Erkenntnis, dass das mein letzter Nervenzusammenbruch war, was Klausuren angeht. Die Sonne ging auf und ich habe gemerkt: Jawollo, diesen Quatsch muss ich mir nächstes Semester nicht wieder antun. Unglaublich, wie befreiend das sein kann. Also Kopf hoch, über sein eigenes Spiegelbild lachen, weil man aussieht wie der Joker und sich auf die letzten beiden Klausuren vorbereiten. Ja, so oder so ähnlich ist es auch tatsächlich bei den anderen abgelaufen. Eigentlich hatten wir uns auch alle erhofft, dass wir uns nach den letzten Klausuren so frei und unbeschwingt fühlen, wie nach dem Abi. Aber als wir uns Freitags nach der letzten Klausur noch mit einem Großteil der Kohorte auf dem Prakplatz getroffen haben, sah Happy Hour irgendwie anders aus. Eigentlich hätten wir stattdessen lieber einen Contest machen sollen: Wer von uns hat es geschafft, am fertigsten auszusehen und wer hat sich eigentlich am längsten schon nicht mehr gewaschen?

Fertig, fertiger, Fontys-Studenten nach der letzten Klausur.
(Aber still awesome as hell)
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, ist die letzte Klausur auch nicht mit der Abizeit zu vergleichen. Erstens kommt der CRM-Retake bestimmt und zweitens gibt es ja auch noch dieses Ding, das sich Bachelorarbeit nennt. Aber das habe ich dann doch noch erfolgreich ausgeblendet und tatsächlich 14 Stunden am Stück den Schlaf der Gerechten praktiziert. Das hatte ich mir auch reichlich verdient. Rutscht mir gut ins neue Jahr. Over And Out :)